Eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien belegt, dass Depressionen sehr häufig mit einem bestimmten Muster der elektrischen Hirnaktivität einhergehen. Dies bezieht sich auf den Vergleich der Aktivierung beider Hirnhälften, wobei das Ungleichgewicht zwischen den linksseitigen und den rechtsseitigen EEG-Wellen in der Neurowissenschaft als „frontale Asymmetrie“ bekannt ist.

In der rechten Gehirnhälfte, die für die emotionale Verarbeitung zuständig ist, sind bei depressiven Patienten im EEG erhöhte Gehirnaktivitäten messbar. Dies deutet auf im Vordergrund stehende „Vermeidungsziele“ und negative Emotionen hin.

In der linken, der logisch denkenden Gehirnhälfte ist das Gehirnwellenmuster dagegen zu schwach ausgeprägt, was auf eine stark verminderte Ausrichtung auf positive, auf sog. „Annäherungsziele“ hinweist.

Die Überaktivierung der „emotionalen“ Hirnhälfte führt beim Patienten zu der Neigung sowohl seine Erfahrungen als auch seine Zukunftserwartungen ständig negativ zu interpretieren. Auf eigentlich harmlose Reize hin können so heftige emotionale negative Reaktionen erfolgen.

Mit dem Neurofeedback-Verfahren wird die unterschiedliche Aktivierung der Hirnhälften gemessen, ausgewertet und dem Patienten über visuelle oder auditive Feedbacks zurückgemeldet. Der Lerneffekt, das Aktivierungsverhältnis positiv zu verändern, geschieht auf vorbewußter Ebene und ohne willentliche Anstrengung. Das Erlernen eines verbesserten Musters wird vom Gehirn eigenständig vorgenommen.

Neurofeedback kann bei Depressionen zu einer schnellen, deutlichen Verbesserung der Symptomatik führen. In vielen Fällen wird vom Patienten eine spontane Aufhellung der Stimmung wahrgenommen und berichtet. Während diese Stimmungverbesserung zunächst meist nur einige Stunden nach dem Training andauert, verlängert sich dieser Zeitraum kontinuierlich mit fortgesetztem Neurofeedback-Training.

Zur Etablierung und Stabilisierung des neu erlernten „positiven“ Verarbeitungsmusters können hierbei rund 25 bis 30 Trainingssitzungen erforderlich sein.